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Jeder Radfahrer ist ein Auto weniger im Stau....

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Donzdorf gewinnt den Pannenflicken 2016 der Initiative Cycleride

Donzdorf gewinnt den Pannenflicken 2016 der Initiative Cycleride

Zu viele Umlaufsperren pro Kilometer verhagelten Reutlingen den Sieg.

Lange führend sah es so aus, als würde sich Reutlingen mit seinen ultraschmalen Radwegen entlang von uneinsehbaren Grundstücksausfahrten und fehlenden Furtmarkierungen an Straßeneinmündungen im Stadtteil Rommelsbach den Goldenen Pannenflicken 2016 sichern. Doch Donzdorf, im Wahlverlauf stets auf den Fersen, überholte mit den letzten Stimmen der Mitglieder und Fachjuroren. Albert Herresthal vom VSF, einer der vier bundesweit bekannten Experten in Sachen Radverkehr, bezeichnete die Donzdorfer Situation im Landkreis Göppingen treffend als „Umlaufsperrenalbtraum“ und kommentierte folgendermaßen: „Dieser "Radweg" gleicht eher einem Schikane-Parcours. Durch die rekordverdächtige Konzentration von Umlaufsperren wird nicht nur das Fahrvergnügen erheblich geschmälert, sie stellt auch ein signifikantes Sicherheitsrisiko dar“. Paul Bickelbacher, bundesweit sowohl in Radverkehrs- als auch in Fußgängerverbänden engagiert, ergänzte:  „Insbesondere in dieser Ausführung und machen Umlaufsperren den Benutzern von Lastenrädern, Kinderanhängern und Rollstühlen das Leben schwer“.

Reutlingen dagegen bietet auf seinen bisweilen nur 80 cm schmalen „Radwegen“ ein Sammelsurium von Schikanen, die man als Ortsunkundiger womöglich schmerzhaft in Erinnerung behalten könnte. Einheimische fahren oft von vorneherein auf der Fahrbahn, obwohl dies per Schild eigentlich untersagt ist. Zu vielfältig sind die möglichen Unfallgefahren auf abschüssiger Strecke, ganz im Gegensatz zur danebenliegenden Fahrbahn, die auch noch auf Tempo 30 begrenzt ist.

Neben den beiden „Baden-Württembergern“ steht die Gemeinde Uder im thüringischen Landkreis Eichsfeld auf dem Siegertreppchen. Wenn man es hier unbeschadet an Hauseingängen und einer fast nicht einsehbaren Supermarktausfahrt vorbei geschafft hat, wird man durch zwei Gebäudetunnel geschleust. Das alles bei bestehendem Fußgänger- und entgegenkommenden Radverkehr. Auch hier: Verbot für Radfahrer, auf der Fahrbahn zu fahren.

Der Sonderpreis „Trampelpfad“ geht an Hannoversch Münden und den Landkreis Göttingen, die Radfahrer per Blauschild von der kaum befahrenen Fahrbahn weg auf einen nicht einmal einen Meter breiten Pfad durchs Grün schicken, auf dem Begegnungsverkehr schlichtweg nicht möglich ist.

Auf den Plätzen folgten die Städte und Gemeinden Gifhorn, Limburg, Bamberg, Einbeck und Nidda. Auch dieses Jahr blieb keine Nominierung ohne Stimme. Laut Klaus Wörle vom ADFC Regensburg waren alle Nominierten in irgendeiner Weise würdige Kandidaten für „Pannenflicken", "Rostige Ritzel" oder "Gerissene Speiche“.