- Initiative Cycleride

Jeder Radfahrer ist ein Auto weniger im Stau....

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Die Pannenflickenbewertungen unserer Experten für 2020/2021

Wertungen von Bernd Sluka (u.a. VCD Bayern) zum Pannenflicken 2020/2021

 

Der Baustellen-Sonderpreis geht an Duisburg

Den Baustellen-Sonderpreis hat nahezu jede Stadt oder Gemeinde verdient. Da es dieses Jahr nur einen Nominierten gibt, geht er an die Stadt Duisburg. Angesichts der geschilderten chaotischen Situationen mit:

- Umleitungen auf Radwege, die mangels Beschilderung und ausreichender Breite gar nicht befahren werden dürfen (Sittardsberger Allee),

- Ausweisung der Fahrbahn als Radweg (Kulturstraße), wo ohne Baustelle nie einer war

- verstellten benutzungspflichtigen Radwegen (Düsseldorfer Straße) und

- plötzlichen Sandhindernissen an dunklen Stellen eines Radwegs

- It's cycling, not golf, oh dear! - ist sie ein "würdiger" Preisträger.

 

Platz 3 (1 Punkt) geht an Überlingen

Wir sehen - wie so oft - einen Schutzstreifen in Kombination von Mindestmaßen. Das gibt zwar keine Punkte für Originalität, aber einen für die Gefährdung von Radfahrern. Am einfachsten wäre es, zum Pinsel zu greifen und die Linie durchzuziehen. Dann wäre es eine Parkflächenmarkierung, womit der eigentliche Zweck herausgestellt wird, und Radfahrer wüssten alle, dass sie diesen Teil der Straße nicht befahren sollten.

 

Platz 2 (2 Punkte) geht an Uhingen

Uhingen zeigt, wie Radwege nicht angelegt werden sollten. Man trifft auf eine verwirrende Radverkehrsführung über zu schmale Wege, die illegales Verhalten geradezu fördert. Wenigstens wird es durch die (unzulässige) ständige Abwechslung der Führungsform und der Suche danach, wo es weitergehen soll, nicht so langweilig wie für diejenigen, die hier bestimmt sicherer auf der Fahrbahn fahren würden.

 

Platz 1 (3 Punkte) hat Wuppertal verdient

Zahlreiche Beispiele von Radverkehrsführungen ohne Rücksicht auf Radfahrer belegen eindrücklich, dass in Wuppertal weder um deren Sicherheit noch um die Förderung des Radverkehrs geht. Wer Radfahrer auf 70-cm-Weglein oder in den Gegenverkehr einer Busspur schickt, auf die gerade mal so ein Bus passt, der hat andere Motive.

 

keine Preise für

Duisburg

Wer schlechte Oberflächen beklagt, der sollte mal das Kopfsteinpflaster in Passau befahren. Darüber hinaus ein nicht abgepollerter Radweg und ein illegal beschildertes Streifchen, das nicht einmal den Namen Radweg verdient - das reicht nicht für einen Preis.

 

Neckartailfingen

Die Beschilderung ist zwar abenteuerlich, aber es funktioniert, wenn man sich nicht an die Schilder hält. Und genauso machen es wohl die meisten Verkehrsteilnehmer dort. Gehweg mit Pollern schützen, Schilder weg, Fahrradstraße hin oder einen Shared Space daraus machen.

---Danke an Bernd Sluka---

 

Klaus Wörle (ADFC Regensburg)

20/21 Wuppertal = 3 Punkte

Motto: Hauptsache, irgendwas machen! Wer braucht da schon Sachverstand?

Manchmal wäre Nichtsmachen einfach besser - und sicherer.

 

20/21 Überlingen = 2 Punkte

Da wird sich mancher denken: Was soll daran besonderes sein?

Eben! Das ist Murks wie (fast) überall im Land - und deswegen würdiger Pannenflicken, der aber den meisten Kommunen zustünde.

 

20/21 Uhingen = 1 Punkt

Schlechte Straßenplanung durch Markierungen zu beheben, muss kläglich scheitern. Ein wirklich schönes Beispiel dafür!

 

20/21 Duisburg = Baustellen-Sonderpreis

Stellvertretend für indiskutable Baustelleneinrichtungen im ganzen Land

---Danke an Klaus Wörle---

 

Christian Ückert (Stade fährt Rad / Lastenrad Stade)

3 Punkte gehen an Uhingens gefährlichen 2-Richtungs-Murks. Man erkennt auf einen Blick, dass es dort in erster Linie darum ging, Radfahrer aus dem Weg zu schaffen. Eine weiße Linie macht aus einem Gehweg noch keinen Zweirichtungsradweg. Lesetipp für die verantwortliche Verkehrsbehörde: Verwaltungsvorschrift zur StVO, zu den §§39 - 43, Randnummer 5:

"Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten. Dabei geht die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer der Flüssigkeit des Verkehrs vor."

Das ist das genaue Gegenteil von "Die Flüssigkeit des Autoverkehrs geht über die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern", was in Uhingen ganz im Geiste der 1970er Jahre noch oberste Prämisse bei der Verkehrsregelung zu sein scheint.

2 Punkte für Neckartailfingen. Eigentlich ist es schon fast komisch, dann aber auch wieder nicht, weil es zeigt, wie egal der verantwortlichen Behörde Fußgänger und Radfahrer sind. Man kann hoffen, dass dort nicht nur Autofahrer das Verkehrszeichen 240 ignorieren, das ihnen die Zufahrt zum Parkplatz über den gemeinsamen Geh- und Radweg verbietet, sondern dass auch die Radfahrer die Fußgänger auf dem gemeinsamen Geh- und "Radweg" in Ruhe lassen und sich nicht auch vorher schon um den Platz auf dem Seitenstreifen kabbeln, sondern trotz der originellen Beschilderung auf der Fahrbahn bleiben. Neben der zuständigen Verkehrsbehörde, die offensichtlich nicht einmal die Bedeutung der Verkehrszeichen kennt, die sie selbst aufstellen lässt, sollte im "Erfolgsfall" der Preis mit dem Land Baden-Württemberg geteilt werden, das nicht darauf aufpasst, dass so etwas auf dem ausgewiesenen RadNETZ nicht vorkommt.

Den verbleibenden Punkt hätten alle anderen gleichermaßen verdient: Schutzstreifen, die gefährden statt zu schützen, wie in Überlingen, sind leider keine Seltenheit. Auch den schlechten Fahrbahnbelag in einer finanzschwachen Kommune mag ich der Stadt Duisburg nicht als besonders schlechte Fahrradinfrastruktur ankreiden.

Also geht mein letzter Punkt an Wuppertal. Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Auch wenn durchaus der Wunsch der Stadt Wuppertal erkennbar ist, etwas für den Radverkehr zu tun, sollte man doch noch einmal daran erinnern, dass es technische Regelwerke gibt, in denen man nachschauen kann, wie man es richtig macht. Im Zweifelsfall ist gar nichts immer noch besser als eine schlechte und verwirrende Infrastruktur, auf der es auch nicht funktioniert.

Baustellen: Wenn die Stadt Duisburg bei mir beim Hauptpreis schon leer ausgegangen ist, sollte die Ignoranz gegenüber dem Radverkehr wenigstens durch den Baustellen-Sonderpreis gewürdigt werden. Leider ist Duisburg bei der Behandlung des Radverkehrs an Baustellen keinesfalls so konkurrenzlos schlecht, wie es in Ermangelung alternativer Wahlvorschläge in der Sonderkategorie scheinen mag.

---Danke an Christian Ückert---